VON ACID HOUSE ZU FAIRER MODE. EIN VIERTELJAHRHUNDERT KOMODO

Ob trendy oder klassische Mode für Männer und Frauen ­­– das britische Label Komodo gehört zu den Vorreitern der grünen und fairen Mode und ist mit seinen vielseitigen Kollektionen in vielen Konzeptläden zu finden. Wir wollten von Mark Bloom, Gründer und Geschäftsführer von Komodo wissen, was sich seit den Anfängen geändert hat und wo die Herausforderungen heute liegen. Wer jedoch Bilderbuchaussagen über faire Mode erwartet, ist am falschen Mann. Im Interview zeigt sich Mark Bloom eher ernüchtert. Er legt offen, dass das Streben nach nachhaltigen Produktionsweisen für ihn auch Widersprüche beinhaltet und nicht immer alles nur gut läuft. Bewusst oder unbewusst schwimmt er damit gegen den Trend, gegen jede politische Korrektheit.

Anna Perrottet (AP): Joe Komodo, für wen ist Komodo?

Mark Bloom (MB): Wir machen Mode für Gleichgesinnte. Ja, einfach Gleichgesinnte.

AP: Welchen Begriff benutzen Sie für Ihre Mode? Und was macht die Marke Komodo besonders sozial und ökologisch verträglich?

MB: Wir haben schon nachhaltig gehandelt, bevor es all die Begriffe und Definitionen gab. Ich glaube, am meisten enspricht mir der Ausdruck „fair“. Ich versuche, fair zu sein; fair betreffend der Umwelt-Auswirkungen, fair zu den Kunden, fair zu den Herstellern. Faires Business für alle; dazu gehört es auch, gute Ausgangsmaterialien zu verwenden, selbst gut und gewissenhaft zu arbeiten, Leute anständig zu bezahlen, einen guten Preis festzulegen, mit den Wiederverkäufern fair zu sein. Gleichzeitig erwarte ich von anderen auch Fairness mir gegenüber. Fair sein ist manchmal auch hart. Es kann bedeuten, streng sein zu müssen, nicht immer zu allen Beteiligten nett sein zu können.

Welche Herausforderungen gab es 1988 für ein faires Label? Was sind die Herausforderungen des Marktes heute?

MB: Zu starten war 1988 nicht schwierig. Wir waren jung und sehr enthusiastisch. Wir mussten dann lernen, die Firma nicht als Spiel zu begreifen, das Business ernster zu nehmen, das war damals unsere Herausforderung.

Heute wie gestern würde ich die Modewelt als einen Zirkus bezeichnen. Die verschiedenen Brands sind die Artisten, die ihre Hochseilakte vollführen. Der Zirkus wird, je länger je mehr, schneller und vielfältiger. Eine Kollektion mag fünfzig verschiedene Modelle in jeweils vier verschiedenen Farben haben, von denen jedes Modell mit dem jeweiligen Materialmix in einer anderen Fabrik hergestellt wird. Die Ergebnisse all dieser Koordinationsanstrengungen müssen an ein und demselben Tag im Laden für den Kunden bereit stehen; und jede Saison muss wieder alles neu erfunden werden. Hunderte von Sachen können schief gehen, vielleicht ist das Modegeschäft das Herausfordernste überhaupt. Man muss ständig lauter sein als alle anderen, anders, attraktiver.

Heute sind viel mehr Brands und Leute involviert als vor 20 Jahren. Auch die Kosten, Sachen herstellen zu lassen, sind weltweit gestiegen. Die Herstellerländer sind teurer geworden, da deren Volkswirtschaften im Aufwärtstrend sind. Faire Löhne zu zahlen war 1988 noch einfacher. Meine Einkaufspreise sind um das dreifache gestiegen, während die Verkaufspreise etwa gleich geblieben sind. Jedes Jahr müssen wir unseren Job professioneller machen, nur um gleichviel zu verkaufen.

Im Prinzip zahlen wir keine fairen Löhne, wir zahlen einfach den Preis, den die Firma verlangt. Wir sind ja selbst nicht Arbeitgeber, die Fabrik gehört uns ja nicht. Wir sagen: „Ich würde gern dies und das herstellen, wieviel kostet das?“ Die nennen einen Preis und wir sagen:“Ok, das geht in Ordnung”.

AP: Das klingt aber nicht gerade nach Transparenz in den Arbeitsbedingungen. Wie sehr kann Komodo denn Arbeitsbedingungen und Löhne beeinflussen?

Wir können sie schon beeinflussen. Die grösste Fabrik, mit der wir arbeiten, haben wir dazu ermutigt, SA8000-Normen einzuhalten und sich als SA-8000-Betrieb registrieren zu lassen. Das hätten sie nicht gemacht, wenn wir es nicht ausdrücklich und immer wieder von ihnen gefordert hätten. Je mehr man in einer Fabrik involviert ist, desto mehr Einfluss kann man nehmen. Wichtig ist, oft Besuche zu machen, mit den Arbeitern zu reden, und faire Deals zu machen. Handeln muss man, aber fair.

AP: Wo steht die faire Mode 2020?

MB: Das ist eine gute Frage. Hoffentlich wird die Szene und das Angebot grösser sein, als es jetzt ist, und hoffentlich gibt es dann nicht nur mehr Wettbewerb, sondern auch mehr Kunden.

AP: Wie wird sich das Konsumentenverhalten verändern?

MB: Mehr und mehr Leute werden einmal versuchen, ein Kleidungsstück aus einer fairen Kollektion zu kaufen. Ich hoffe, dass viele KundInnen zufrieden sind und treu werden, weil sie sich erinnern, welch ein Erfolg ihr letzter Kauf war.

1988 machten wir Kleider für das Acid House Movement, Kleider für Raver also. Das war eine sehr starke Segmentierung. Die Kleidung war dafür bestimmt, eine Revolution zu begleiten. Auch heute begleiten wir wieder eine Revolution, allerdings eine wesentlich stillere.

AP: Vielen Dank für das Gespräch, Mark.

 

Label Komodo, erhätlich auf der eigenen Homepage oder weltweit in vielen Läden
Gegründet 1988 von Joe Komodo alias Mark Bloom
Mitgliedschaften Made-By
Mitgliedschaften Social Accountability 8000 Standard (SA 8000)
Fasern Baumwolle: 85% GOTS-zertifiziert, 15% konventionell, Leinen, Hanf, Rayon, konventionell; Tencel (umweltfreundlichste Viskosefaser), Seide (Haspelabfälle), Sojafasern aus Abfällen aus der Nahrungsmittelproduktion, Bambus, Wolle (noch nicht zertifiziert)
Besonderes Dieses Jahr feiert Komodo sein 25-jähriges Jubiläum und erweitert seine Kollektion mit Papeterieartikeln aus Lokta-Papier und Baumwollabfällen, sowie Schuhen.Ursprünglich stellte Komodo Ravewear her. Die Weiterentwicklung der Marke entstand aus der Motivation, die Beziehung zu den ProduzentInnen aufrecht zu erhalten und zu entwickeln, und ihnen weiterhin eine faire Einkommensmöglichkeit zu bieten. Komodo produziert noch immer hauptsächlich in Indonesien und Nepal, neu auch in Indien und Litauen.

Text: Anna Perrottet


One Comment on “VON ACID HOUSE ZU FAIRER MODE. EIN VIERTELJAHRHUNDERT KOMODO”

  1. Fabio sagt:

    Ich zitiere: „Ich glaube, am meisten enspricht mir der Ausdruck „fair“. Ich versuche, fair zu sein; fair betreffend der Umwelt-Auswirkungen, fair zu den Kunden, fair zu den Herstellern. Faires Business “ ..Wir brauchen mehr Menschen von dieser „Sorte“ auf dieser Welt. Fair sein! Nicht immer nach noch mehr gieren. Mehr, mehr, mehr…Wie viele von uns sind wirklich mit dem zufrieden, was sie besitzen.
    Schon in der Schule wird mit Klamotten Neid geschürt.

    Grüße


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