GOOD SHOE GUIDE

Viele Schuhe sind giftig und können krank machen – so der NDR Anfang Mai in der Reportage „Giftige Schuhe“. Die Schuhmaterialien und Zutaten wie Kleber enthalten Gifte, die Allergien auslösen und teilweise sogar krebserregend sind. Wenn die Gifte uns krank machen, so sind die ArbeiterInnen in der Schuhproduktion noch stärker betroffen, denn sie sind täglich von den Materialien umgeben oder stehen barfuss in den Chemikalien. In Kanpur, der Lederschuhmetropole Indiens, werden die toxischen Abwässer der Lederschuhproduktion oftmals ungefiltert in den heiligen Ganges gelassen. Wir sind überzeugt, dass es auch anders geht und unsere Recherche zeigt, dass bereits einige Schuhdesigner es mit der Nachhaltigkeit ernst nehmen und andere Wege beschreiten.

Für unseren GOOD SHOE GUIDE (PDF) haben wir über vierzig Firmen befragt, die ihren Versprechungen nach einen grossen Wert auf ökologische und soziale Aspekte der Produktion legen. Von den Firmen, die uns geantwortet haben, entsprechen achtzehn Brands den Kriterien vom NETZWERK FAIRE MODE. Diese Firmen stellen Sneaker, Hochzeitsschuhe, Kinderschuhe und andere Schuhe aus pflanzlich gegerbtem Leder, bio- oder recyclierten Stoffen oder auch aus falschem (veganen) „Leder“ her. Fast alle der Firmen im „Good Shoe Guide“ stellen ihre Schuhe in Europa her, oftmals im eigenen Atelier. Damit möchten wir keinesfalls sagen, dass Schuhe aus Asien notwendigerweise unethisch hergestellt sind. Doch die Produktion in Deutschland oder England stellt auch ohne Zertifikat relativ sicher, dass die Arbeitsbedingungen fernab von Ausbeutung sind. Auch gilt in allen EU-Ländern die REACH-Verordnung, welche die Verwendung besonders toxischer Stoffe verbietet.

Lässige Sneakers für Kreative

Comake | light unisex leather sneakers

Comake wurde 2011 als Studienprojekt gegründet mit dem Ziel, besonders ökologische Sneakers herzustellen. Die Gründer wollten bereits im Design die Ökologie mitdenken. Herausgekommen ist ein modularer Sneaker nach dem Baukastenprinzip mit einem patentierten Verbindungsystem zwischen Sohle und Schuh. Der Kunde erhält den Schuh in vier Einzelteilen und kann ihn dann beim Schuhmacher für ca. 30 Euro zusammensetzen – ganz ohne Kleber. Alle Einzelteile lassen sich ersetzen. Den Schuh gibt es zur Zeit nur als Prototyp, er wird auch anders aussehen als ihn die Bilder auf der Firmenwebsite zeigen. Wir hoffen, dass die Idee des modularen Schuhs viele Käufer und Comaker findet, denn die Idee würde den Abfall massgeblich reduzieren, weil man jedes Einzelteil ersetzen kann.

flaek foorwear | Casual, clean & timeless handmade sneakers

(c) flaek shoes

Ein ähnlicher ökologischer Gedanke steckt in den zeitlos-schönen Sneakers von flaek footwear, die von „zwei leidenschaftlichen Designern und Turnschuhsammlern“ entwickelt wurden. Die flaek-Macher versuchen in ihrem Konzept den Umwelteinfluss zu reduzieren, indem sie ihn auf Anfrage und nach Mass in Deutschland handfertigen, wodurch überschüssige Produktion vermieden wird. Vom ökologischen Impact her ist das genau richtig gedacht. Hohe Qualität hat aber natürlich ihren Preis.

PO-ZU | Shoes with a good sole

Auch die britische Marke Po-Zu – wie die wahrscheinlich bekanntere französische Marke Vejas – wählt die Materialien für die Schuhe sorgfältig nach den höchsten ökologischen Standards aus. Im Zentrum steht es, jegliche potenziell schädlichen Stoffe zu vermeiden, und deshalb werden bei Po-Zu auch keine Klebstoffe verwendet. Genäht werden die Schuhe in Portugal. Die in Brasilien produzieren Vejas wurden neulich auch vom Guardian als “best practice” Fallstudie beleuchtet.

ekn | be the seed

Noel Klein-Reesink geht bei seinen ekn-sneakers mit einem hohen ökologischen Anspruch an das Leder in die Produktion. Sein Claim “be the seed” will sagen, „dass wir selbst das Saatgut sein können für eine etwas bessere Welt“, wie Ihr im Interview mit auf GrüneMode.org nachlesen könnt. Ein neueres Interview findet Ihr im Newsletter Nachhaltigkeit und Textilien der Messe Frankfurt.

soleRebels | Artisan imagined footwear

(c) solerebels

Die 31-jährige Gründerin von soleRebels, Bethlehem Tilahun Alemu, wollte ihren äthiopischen Landsleuten zeigen, dass auch sie aus einem der ärmsten Länder der Welt heraus global erfolgreich sein kann. Und sie hat es geschafft: soleRebels wurde zur Wirtschaftselite nach Davos eingeladen, von Hilary Clinton in einer Rede erwähnt, und ist wahrscheinlich die erste äthiopische Modefirma, die in Forbes oder in den „schönen Seiten“ der NZZ neben Gucci und Rolex porträtiert wurde. soleRebels ist auch die erste von der World Fair Trade Organisation (WFTO) zertifizierte Schuhfirma Äthiopiens und damit eine von wenigen weltweit. Die WFTO versucht wie Fairtrade International Menschen in Entwicklungsländern durch faire Handelsbeziehungen zu fördern, und fokussiert dabei auf Handwerk. Bei den Modellen von soleRebels sieht und spürt man die kreative Handschrift ihrer MacherInnen. Die Sneaker sehen also nicht nur gut aus, sondern sie fördern die lokale Entwicklung durch die Verwendung lokaler Ressourcen (z.B. Biobaumwolle und recycelte Autoreifen) und durch die Weiterverarbeitung im Land. Hoffen wir, dass Bethlehem Tilahun Alemu es schafft, ihre Firma zum Nike ihres Landes zu machen.

OAT Shoes | Casual, sportive, basic

OAT Shoes wirbt damit, dass man die Sneaker zum Lebensende im Garten begraben kann, weil sie dort verrotten und keine schädlichen Rückstände hinterlassen. Statt dessen „blühen“ OATs, weil in die Zunge der Schuhe Blumensamen eingenäht sind, die nach der Gartenbestattung ein neues Leben erlangen sollen: „shoes that bloom“. Schöne Idee. Kernbestandteil der Schuhsohle ist biologisch abbaubarer Kunststoff – nach der europäischen Norm DIN EN 13432 bedeutet dies,

„dass sich ein Material nach einer festgeschriebenen Zeit unter definierten Temperatur-, Sauerstoff und Feuchtebedingungen in der Anwesenheit von Mikroorganismen oder Pilzen zu mehr als 90 Prozent zu Wasser, Kohlendioxid (CO2) und Biomasse abgebaut haben muss“.

Das Umweltbundesamt steht der Produktgruppe der biologisch abbaubaren Kunststoffe auf Basis nachwachsender Rohstoffe in einer Studie von 2009 „zurückhaltend bis ablehnend gegenüber“, weil der Beitrag zum Klima- und Ressourcenschutz noch nicht vollständig untersucht sei. Der Nachweis der ökologischen Vorteilhaftigkeit müsse für jede einzelne Produktkategorie auf Grundlage repräsentativer Randbedingungen erbracht werden, so das Umweltbundesamt. Und dieser Nachweis liegt uns von OAT nicht vor. Wir freuen uns aber, wenn wir eines Tages mal die Ökobilanz von  Sneakern mit Gummisohlen mit der von OAT-Plastikturnschuhen vergleichen können.

Trotz aller Zweifel an Bio-Plastik: OAT setzt auf einem Mix von natürlichen Materialien wie Biobaumwolle (GOTS), Hanf, Kork und pflanzlich gegerbtem Leder, weshalb wir sie hier auch auflisten.

Et voilà! Schuhe zum Verführen

Beyond Skin | Stylish, ethical, vegan footwear

Stylish, ethisch und vegan sind die schicken Modelle von beyond skin. Das hier abgebildete Modell ist z.B. aus Kunstleder das zu 100% aus recycelten Deckeln von Petflaschen hergestellt wird. Die Materialien kommen aus Spanien und Italien, die Produktion findet in Spanien statt. Von der Ökobilanz her ist das sicherlich besser als Plastik aus nachwachsenden Rohstoffen. Freerangers produziert auch vegane Schuhe, und zwar im Atelier in England angeblich mit Löhnen, die 15% über vergleichbaren Löhnen liegen.

Hetty Rose | Handmade by upcycling vintage Japanese kimonos

Eine schöne Geschichte erzählen die Schuhe von Hetty Rose. Die Designerin Henrietta Rose fertigt von Hand Schuhe aus alten japanischen Kimonos an. Jedes Paar wird nach Mass und den persönlichen Wünschen entsprechend in ihrem Atelier in Essex, ausserhalb von London, hergestellt. Die Absätze sind aus Holz und das Leder stammt teilweise von alten Jacken oder Hosen. Ist das Leder neu, wird Wert darauf gelegt, dass es pflanzlich gegerbt ist. Diese exklusiven Schuhe kosten zwischen 450 und 550 Euro, die Designerin persönlich empfiehlt ihre Einzelstücke besonders als Hochzeitsschuhe.

Izzy Lane | Sexy, vintage-style

Die „sexy vintage-style Schuhe“ von Izzy Lane werden von einem Schuhmacher in East-London angefertigt und sind von der Vegetarian Society anerkannt. Die Firma ist bekannt für ihren hohen Anspruch an Tierfreundlichkeit, besonders bei Wollprodukten.

John W. Shoes | Trendy fashion

„Modisch klassische Schuhe für jeden Anlass“ bietet John W. Shoes. Hergestellt werden sie grösstenteils aus pflanzlich gegerbtem Leder in Spanien. Die Fütterung warmer Winterschuhe ist reine Schurwolle und Sohlen sind aus recycleten Materialien.

Martin Natur Shoes | Fashion, fitting, sustainability, 100% European

Auch die spanische Firma Martin Natur Shoes legt Wert auf pflanzliche Gerbung und ist einer der wenigen Damenschuhanbieter in unserer Liste, der nach IVN Naturleder zertifiziert ist, also nach dem Standard mit den höchsten Ansprüchen im Ökologischen. Ferner ist die Firma nach „ECARF“ allergiefreundlich zertifiziert, was man nach Schauen der Reportage „Giftigen Schuhe“ vielleicht ja besonders sucht. Nebst der nachhaltigen Produktion wird insbesondere auch auf eine gute Passform des Schuhbetts geachtet. Die Schuhe werden in Spanien aus deutschem Leder hergestellt.

Pleasemachine | Classy, alternative, pop-art, vintage-inspired, self confident

Nicht nur Schuhe aus feinstem italienischem Leder sondern auch die einzigartigen Modelle der „reuse for shoes“ Linie findet man bei Pleasemachine in Budapest. Das Wiederverwerten von alten Materialien erlaubt es ihnen massgeschneiderte Schuhe relativ preiswert im Budapester Atelier herzustellen und letztendlich ziemlich auffällige Schuhe zu produzieren. Auf KalinkaKalinka gibt es einen schönen Artikel zu Pleasemachine.

Grand Step | Schön, bequem und ökologisch

„Schön, bequem und ökologisch“ – so Grand Step über seine Schuhe. Das ausschliesslich pflanzlich gegerbte Leder kommt aus Portugal, wo auch die Lederschuhe hergestellt werden. Grand Step Schuhe, die nicht aus Leder sind, werden in Vietnam und in der Slowakei unter Vorschriften der Business Social Compliance Initiative (BSCI) hergestellt. Hier müsste man sich die Arbeitsbedingungen mal genauer anschauen, da die BSCI von Organisationen wie der Kampagne für Saubere Kleidung oft kritisiert wird. Wir fragen uns natürlich, warum die Firma nicht Mitglied in einer Multi-Stakeholder Initiative ist, die auch die Zahlung existenzsichernder Löhne verlangt.

Baby- & Kinderschuhe

Im Bereich der Kinderschuhe /-finken haben wir vorerst drei Firmen aufgenommen. Die Lederfinken für Babies, Kinder und teilweise auch für Erwachsene werden vor allem in Deutschland hergestellt und entsprechen in der Produktion fast ausschliesslich den hohen Standards des IVN. Hier nur kurz drei Firmen – ein ausführlicherer Kinderschuhguide folgt im Sommer.

Kolibrikids | Vom Rohprodukt bis zum Endprodukt in Bayern hergestellt

Pantolinos | Soft leathershoes for small and large

Pololo | Charming design, colourful & eco

Gerne erweitern wir unseren Guide. Schickt uns eure Hinweise, Fragen und Kommentare. Wo es diese Schuhe in eurer Nähe zu kaufen gibt, werdet ihr erfahren können, wenn unsere Online Plattform steht. Bis dahin freuen wir uns übers Feedback und eure ideelle Unterstützung!

Autoren: Saskia Sanders & Mark Starmanns


15 Kommentare on “GOOD SHOE GUIDE”

  1. Stefan Krauß sagt:

    Guten Tag,

    ich habe zwei Ergänzungsvorschläge:
    1. die deutsche Manufaktur ,,Lunge“, welche vegane Lauf- und Bequemschuhe ,,Made in Germany“ nach eigenen Angaben ,,schadstofffrei“ und mit regionalen Materialien produziert.
    Website:
    lunge.com

    2. der Schuhhersteller ,,Noah“, welcher vegane Schuhe ,,Made in Italy“ im landeseigenen Stil, angeblich sozial- und ökologisch verträglich produziert und mehrmals von der Tierrechtsorganisation ,,Peta“ ausgezeichnet wurde.

    Des Weiteren wären Marken wie Lowa und Vegetarian Shoes zu nennen, die angeblich auch eine ökosozialere Produktionsart anstreben.

    Wann wird der Guide mal aktualisiert?
    Erscheint auch eine Version auf deutsch?

    MfG

  2. issi baum sagt:

    wie ist es denn mit schuhen von patagonia?

  3. Dagmar Vogler Holzmann sagt:

    Hallo ! Ich habe eine Frage zu all den Schuhen.
    Ich finde es toll, wenn Schuhe ökologisch korrekt und modisch sind, aber ich möchte gerne wissen, wo das Leder herkommt.
    Ich möchte nur mal bei einem Schuhfabrikanten ( oder anderen Fabrikanten von Accessoires, die Leder enthalten, wie Uhren mit Lederarmbändern) etwas über die Herkunft des Leders hören. Und ich will sehr gerne wissen, wie es den Tieren geht, bevor sie gehäutet werden, da ich nicht Leder von armen gequälten Tieren tragen möchte.
    Können Sie mir da helfen ?

    viele Grüße !
    Dagmar Vogler Holzmann

    • hallo, ich glaube, das thema ist eher weniger bearbeitet. ich würde einfach konsequent nachfragen. viele grüsse, mark starmanns

    • Karen St. Clair sagt:

      Schuhe von Martin Natur werden mit deutschem ecopell Leder hergestellt (ecopell.de). Die Häute kommen von Bauernhöfen aus dem Voralpenland in der Nähe der Gerberei. Empfehlenswert!

  4. […] über SoleRebels demnächst auf anders|denken. Und natürlich in meinem Buch. Oder in vielen anderen Blogs und Magazinen. Oder auf […]

  5. Christoph sagt:

    Der LInk zu dem YT-Video ist tot.

  6. Sören Jensen sagt:

    Hi. Vielen Dank für eure tolle Arbeit. Leider muss ich sagen, dass für Männer das Angebot an schicken veganen Öko-Schuhen noch recht dünn gesät ist. Eine Frage habe ich: wieso taucht Ethletics in eurer Liste nicht auf?
    Liebe Grüße, Sören

  7. das ist wirklich super – sowas braucht der mensch – toll🙂

  8. […] NETZWERKFAIREMODE hat kürzlich mit dem Good Shoe Guide einen sehr gut recherchierten Führer durch die Markenwelt alternativer Schuhhersteller […]

  9. CARINA HAMEL sagt:

    VIELEN DANK DAFÜR!!!

  10. […] Ein Kurzvorstellung der öko-fairen Brands sowie eine Vergleichstabelle mit den Kerninformationen findet ihr hier. […]


Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s