GOOD JEANS GUIDE

Am 5. März 2012 hat der NDR einen Dokumentarfilm „Der Preis der Blue Jeans“ in seiner Doku-Reihe 45 Min gezeigt. Die hervorragende Dokumentation zeigt, wer die Kosten der konventionellen Jeansproduktion in China trägt. Wer diesen Film gesehen hat, will keine konventionelle Jeans mehr kaufen. Aber es geht auch anders: Netzwerk Faire Mode stellt im „Good Jeans Guide“ Jeansfirmen vor, die grossen Wert auf Arbeiterrechte und auf Umweltschutz in der Jeansproduktion legen.

 

Mittlerweile gibt es den Good Jeans Guide III – auf GET CHANGED! The Fair Fashion Network.

Recycling, repair, reuse: King of Indigo, Nudie & Denim Therapy

Die niederländische Denim-Brand Kings of Indigo (K.O.I) wurde von Tony Tonnaer gegründet, der bereits Kuyichi gross gemacht hat. Bei der Firma stehen drei „R“s im Vordergrund: Recycle: K.O.I nutzt so viel recycelte Baumwolle wie möglich und teilweise Biobaumwolle. Repair: K.O.I bietet kostenlose Repair Kits and Repair Events an. Reuse: K.O.I plant Pop-Up-Events, wo die Kunden ihre alte Jeans zurückgeben können und einen Rabatt auf eine neue K.O.I Jeans bekommen. Die Stoffe für die Jeans werden vor allem in Italien, in der Türkei und Japan produziert, genäht werden die Jeans in Tunesien. K.O.I kooperiert seit Anfang an mit der Fair Wear Foundation (FWF) und plant seinen Beitritt in diesem Jahr. Die Hosen kosten zwischen 100 und 240 Euro.

Die schwedische Denim-Brand Nudie Jeans bietet öko-faire Jeans für Männer und Frauen für 100-150 Euro an. Nudie Jeans sind aus 100% Biobaumwolle (Türkei/Indien) und bislang sind 40% GOTS-zertifiziert (ab Juli 2012: 100%). Die Hosen werden zu fast 90% in Italien genäht, 10% in Portugal und in der Türkei. Nudie hat verschiedene interessante Projekte, z.B. ein Empowerment Projekt. Ferner engagiert sich die Firma im Recycling / Reparieren: Wie bei K.O.I bekommt man einen Rabatt, wenn man die alte Nudie-Jeans im Laden lässt und eine neue kauft: “Customers will get a discount on new purchases if they leave their old jeans to us. We remake and repair each pair in a personal way and sell them again, tagged with the new Good Environmental Choice label.”

Die holländische Brand Kuyichi wurde im Jahr 2000 von der niederländischen NGO Solidaridad gegründet. Kuyichi bietet modebewusste Jeans in unterschiedlichsten Schnitten und Waschungen für 100 – 165 Euro an. 96% aller für Jeans insgesamt verwendeter Stoffe sind aus Biobaumwolle, beim Rest wird auf Nachhaltigkeit grossen Wert gelegt (siehe Sustainable Concept). 80% der Biobaumwoll-Produkte von Kuyichi werden GOTS-zertifiziert weiterverarbeitet und 20% Organic Exchange, weil der Mischfaseranteil zu hoch für GOTS ist. Die Konfektion findet zu 65% in der Türkei und zu 35% in Tunesien statt. 2012 nutzt Kuyichi erstmals auch recycelte Baumwolle für die Jeansproduktion. Wir sind gespannt, wie sie das ausweiten. Kuyichi ist Mitglied der Organisation Made-By, welche eine Art Nachhaltigkeits- und Sozialbericht in Form einer Scorecardveröffentlicht. Die Firma ist Mitglied der stark kritisierten Business Social Compliance Initiative (BSCI), die sich beispielsweise im Gegensatz zur FWF nicht zum Ziel gemacht hat, Existenzlöhne umzusetzen.

Die Denim Therapy Company aus New York produziert keine Hosen, sondern hat sich zum Ziel gesetzt, jedes Loch in einer Jeans zu reparieren. Das Prinzip ist einfach: Man schickt die zu reparierende Jeans an Denim Therapy und bekommt eine reparierte Jeans zurück. Die Denim Doctors können die Lebensdauer der alten Lieblingsjeans nochmal deutlich verlängert werden. Mittlerweile hat sich das Konzept als so erfolgreich herausgestellt, dass es sich über Los Angeles bis nach Chicago und Miami ausgebreitet hat. Vielleicht nimmt es ja auch jemand in Europa auf?

Regionale Produktion: Manomama

Manomama ist eine beeindruckende Alternative, wenn es um Nachhaltigkeit bei Neuwaren geht. Die Firma wurde 2010 von der Werbefrau Sina Trinkwalder als „Social Business“ gegründete. Die 100% öko-sozialen Textilien werden komplett 250 km um Ausgsburg herum gefertigt, nur die Biobaumwolle für die Hosen kommt aus der Türkei. Die Firma ist Mitglied im Internationalen Verband Naturtextil (INV) und die Produktion ist entsprechend zertifiziert.

Die Augschburgdenim für knapp 140 Euro ist eine gerade geschnittene Jeans, die an jedem Hintern gut aussieht und individualisierbar ist (z.B. mit Knopfleiste oder Reissverschluss). In der Jeans werden gezwirnte Stoffe verwendet, die die Hose besonders haltbar machen. Diese Jeans ist weder gebimst, geäzt, stone gewashed oder sonst kaputt gemacht, und die Zutaten sind vollkommen ökologisch. Ein schönes Konzept ist auch der manomama-Mittmachtreff.

Hosen für die gesamte Familie: hessnatur

Das 1976 gegründete Unternehmen hessnatur ist eines der Pionierunternehmen für Naturtextilien. Alle hessnatur-Jeans (40-100 Euro) werden entsprechend dem firmeneigenen hessnatur-Standard produziert, der höchste ökologische und soziale Aspekte umfasst. Die Baumwolle stammt aus Biobaumwollprojekten in Burkina Faso und der Türkei. Konfektioniert werden die Jeans zu 90% in der Türkei, wobei die Stoff-Verarbeitung in verschiedenen Ländern erfolgt: EU (56%), Türkei (11%) und Peru (8%). hessnatur ist Mitglied im Internationalen Verband für Naturtextilien (IVN) und bei der Fairwear Foundation.

Nur für Frauen: Pearls of Laja, SEY

Pearls of Laja ist eine deutsche Denim-Brand speziell für Frauen. Motto: „Wundervolle Kurven in jeder Größe“. Verwendet wird ausschließlich Biobaumwolle aus der Türkei, die in GOTS-zertifizieren Produktionsstätten der Türkei und in Polen weiterverarbeitet und seit 2012 nur noch in Polen konfektioniert werden. Die Jeans kosten zwischen 150 und 200€.

Für SEY – Premium Organic Jeans (130 bis 170 Euro) werden 100% GOTS-zertifizierte Stoffe aus Biobaumwolle verwendet. Die Weiterverarbeitung und Konfektion erfolgen in der Türkei – wobei ab April 2012 in Deutschland konfektioniert werden soll. Wie jede verantwortungsvolle Jeansmarke verzichtet SEY explizit auf die gefährliche Sandstrahltechnik. Die Firma ist Mitglied von Made-By; im Laufe des Jahres soll erstmals für SEY eine Scorecardveröffentlicht werden.

Maßjeans: Gebrüder Stitch

Wiener mit einem Hang zum Individuellen sollten mal die Gebrüder Stitch aufsuchen, die Manufaktur für lokal gefertigte Maß-Jeans aus Biobaumwolle. Gegründet wurde die Firma von „zwei ehemaligen Marketing-Fuzzies, die 2010 beschlossen haben, dass sie von ihren Jobs die Schnauze voll haben und statt dessen ‚in Jeans‘ machen wollen“. Die maßgeschneiderten Jeans werden ab der Meterware in Wien produziert und kosten zwischen 240 und 500 Euro. Über 80% der Stoffe sind GOTS zertifiziert. Termine und Anfragen zum Beratungsgespräch im Hosenlabor können per Email gestellt werden. Die Gebrüder Stich Radljeans gibt es in Standardgrößen auch online.

Good Jeans im Überblick

Hier gibt es den Good Jeans Guide als PDF!

Text: Sophia Opperskalski & Mark Starmanns

Unter GOOD JEANS GUIDE II haben wir den zweiten Teil des Guides mit weiteren sieben Firmen publiziert. Eine aktuelle und ergänzte Übersicht finden Sie im GOOD JEANS GUIDE III. Wir freuen uns über Hinweise auf nachhaltig produzierende Jeansfirmen: ms(at)netzwerkfairemode.com.


26 Kommentare on “GOOD JEANS GUIDE”

  1. […] GOOD JEANS GUIDE Good jeans im Überblick – grüne mode – kirsten brodde, Am 5. ärz 2012 hat die ard einen 45-minütigen dokumentarfilm „der preis der blue jeans“ gezeigt. die hervorragende dokumentation zeigt, wer die. […]

  2. […] sehr interessanten Link habe ich hier schon […]

  3. Hey,

    gute Zusammenfassung eines noch zu wenig beachteten Themas. Ich habe das Gefühl, bei Klamotten ist das Thema Nachhaltigkeit noch nicht so angekommen wie bei z.B. Lebensmittel.

    Ich hoffe da tut sich noch was!

  4. Kathrein sagt:

    Pearls of Laja gibt es jetzt auch bei going-eco.de

  5. […] bei der Fair Wear Foundation und wurde von unseren Schweizer „Get Changed“-Kollegen in den Good Jeans Guide aufgenommen. Doch was macht K.O.I. so besonders? Die Frage ist leicht zu beantworten, stehen doch […]

  6. […] folgende 8-Minuten-Beitrag des NDR ist in diesem Zusammenhang sehr sehenswert und der Good Jeans Guide des NetzwerkFaireMode hilft bei der Auswahl fairer Hosen. Und wer etwas länger Zeit hat, kann sich gerne auch meinen […]

  7. […] Auswirkungen der Jeans Produktion sehr anschaulich zeigt. Als Reaktion haben wir einen Good Jeans Guide herausgebracht mit Jeans-Brands, die sich ernsthaft bemühen die negativen sozialen und […]

  8. […] netzwerkfairemode – Seit Madonna in den 1990er den Cowboy-Look salonfähig machte, gehören Jeans zum Straßenalltag. Wir tragen sie überall und ständig – sie verschleißen, gehen einfach kaputt und werden ersetzt. […]

  9. […] das  “Comeback der Blue Jeans” – und wir erweitern unseren Good Jeans Guide Teil 1 um Teil 2 (PDF) mit sieben Firmen. Trousers London, Good Society, Indnat, Grüne Erde, Hempage, […]

  10. Designer-Jeans ohne Chemie. Eine Jeans herzustellen ist ein sehr umfangreicher Prozess, der je nach aktueller Mode mehr oder etwas weniger chemisch belastet ist. Konrad Buck wollte die 100 prozentige Alternative zur konventionellen Jeans, Peter Parwan von LOHAS forderte nachhaltige, umweltschützende Produktionsweise mit absoluter Transparenz und Hans-Jörg Hamann, Erfinder der abwasserfreien Technologie, der in den 90er Jahren schon Öko-Stoffe für Steilmann produzierte, wollte keine Teillösung, sondern eine 100 prozentig ökologische Jeansveredelung erreichen. http://lohas-scout.de/Kk448g

  11. Tobi sagt:

    Danke für den Guide – eine tolle Hilfe für den Jeanskauf!
    Werden im zweiten Teil auch Anbieter von Jeans aus Hanf enthalten sein?

  12. Anett sagt:

    Hallo,

    ich finde die Zusammenfassung sehr gut. Das Thema ist noch viel zu wenig beleuchtet, So ziemlich jeder hat mindestens eine Jeans im Schrank, dass die Herstellung solche Umstände und Umweltbelastung mit sich zieht, weiß sicherlich kaum einer. Allerdings ist es nicht nur bei Jeans so =0(
    Ich bin gespannt auf den zweiten Teil des Jeans Guides.

    Wir beschäftigen uns mit dem Thema Upcycling und recyclen alte Feuerwehrschläuche, aus denen dann Taschen, Schreibmappen, Geldbörsen usw. gefertigt werden. (http://www.feuerwear.de) Bei der Produktion wird viel Wert auf Nachhaltigkeit gelegt (Ökostrom nach strengen Greenpeace Kriterien, nobrands, atmosfair Zerifikat, faire Arbeitsbedingungen und -löhne etc.). Denn jedes Unternehmen kann noch viel mehr zu Umweltschutz und Fariness beitragen!!

    Danke für euren Beitrag!
    Anett

  13. […] produce fashion according to the criteria we defined; (2) issuing shopping guides like the “good jeans guide“; (3) issuing the bi-weekly newsletter “Fashion, Textiles and Sustainability“, […]

  14. […] Netzwerk Fairemode hat eine Übersicht der besten Öko-Jeans erstellt. Besonders interessant fand ich die Zusatzinformationen: Wer bietet kostenlose Repair-Kits […]

  15. […] Menschen den Schrank mit billigen Kram voll zuhängen. Das Netzwerk Faire Mode zeigt in Ihrem Good-Jeans-Guide, dass es auch Hersteller gibt, die anders Produzieren und Verantwortung gegenüber Mensch und […]

  16. Maren Bartz sagt:

    Und für alle, die selber nähen können oder nähen lassen wollen gibt es ja auch noch die Alternative, GOTS- zertifizierte Bio-Jeans-Stoffe aus kontrolliert biologischem Anbau zu kaufen.
    Meterpreis ab 20,-€, erhältlich im Berliner Biostoffladen Siebenblau oder online unter http://www.siebenblau.de.
    Grüße von Maren Bartz

  17. herr sittich sagt:

    http://www.gebruederstitch.com

    customized design&fit

    grüße
    die gebrüder

  18. Cybergabi sagt:

    Und welche von denen bieten auch große Größen an? Das ist nämlich ein grundsätzliches Problem beim Kleiderkauf. Meisteins muss ich entweder auf konventionelle Anbieter ausweichen, oder eben second-hand kaufen.


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