BLICKFANG – SOZIAL UND ÖKOLOGISCH?

Am Freitag, 25. November 2011, öffnet die blickfang in Zürich ihre Tore – ein Highlight für alle, die Design lieben. Aber wie steht es mit der Nachhaltigkeit an der blickfang? Welche der teilnehmenden Modefirmen achten auf eine soziale und/oder ökologische Produktion?

Berliner Label "Mayer.Peace Collection" 2011

Wir haben die diesjährigen Aussteller für Mode und Accessoires, die vorwiegend aus der Schweiz, Deutschland und Österreich stammen, unter die Lupe genommen und geprüft, welche unseren Kriterien für Nachhaltigkeit entsprechen. Für die ganz Eiligen: Hier geht es direkt zum unserem blickfang 2011 Shopping Guide für Labels mit nachhaltiger Produktion.

Ein paar Eindrücke vorweg: Für die meisten europäischen oder Schweizer Aussteller – wie auch für die blickfang selbst – scheint die Nachhaltigkeit nicht von zentraler Bedeutung zu sein. Viele Unternehmen äussern sich auf ihren Webseiten überhaupt nicht dazu, wo ihre Materialen herkommen und wie ihre Kollektionen produziert werden. Für einige Designer ist die Nachhaltigkeit wichtig, ohne dies aber zu konkretisieren. Schade eigentlich, denn viele kleinere Labels produzieren lokal in ihren eigenen Ateliers oder in der EU, und genau dies könnte zu einem Marktvorteil werden. Lokale Produktion und Transparenz sind für uns zwei wichtige Kriterien für Nachhaltigkeit.

Nur wenige ausstellende Modelabels verwenden bisher konsequent Materialien, die umwelt- und sozialverträglich hergestellt wurden (beispielsweise zertifizierte Fairtrade– oder Bio-Baumwolle oder GOTS-zertifizierte Textilien). Hierzu zählen vor allem das Basler Label Tarzan, und das Label lou&dejlig aus Graz. Einige Schweizer und österreichische Labels verwenden hochwertige Wollstoffe aus einheimischer Produktion oder produzieren in einheimischen Werkstätten ihre Feinstrickkollektionen, wie z.B. das bekannte Zürcher Label Beige.

Nachhaltigkeit bedeutet auch Innovation im Hinblick auf die verwendeten Textilien. Aussergewöhnliche Materialien dienen dabei als Basis für die Upcycling-Kollektionen an Bekleidung oder Accessoires. Das Berliner Label MAYER.Peace Collection verwendet für seine avantgardistischen Kreationen einzigartige Materialien wie Leinenlaken oder Mehlsäcke aus dem 19. Jahrhundert, Herrenwesten und Feinstrick aus Angora/Cashmere. Km/a-Mode zaubert wandelbare Mäntel aus ausgemusterten Fallschirmen und Militärdecken. Das welsche Label coll.part stellt farbenfrohe und nützliche Accessoires her und verbindet Recycling-Materialien mit Fairtrade. Portemonnaies, Neccessaires, Taschen und anderes werden in Kambodscha aus gebrauchten Fischfuttersäcken hergestellt; in Lausanne werden spezielle Umhangtaschen aus Militärdecken in der eigenen Werkstatt produziert.

Designprodukte aus fairer und ökologischer Produktion können einen Wandel bewirken. Dass ein Konzeptstore mit dieser Überzeugung erfolgreich sein kann, beweist Changemaker. Hier finden sich mit viel Herzblut ausgesuchte nationale und internationale Produkte für Gross und Klein und zahlreiche Ideen für Weihnachtseinkäufe.

Wir haben uns gefragt, warum so wenige Labels mit öko-fairen Materialien produzieren und kaum etwas zur Nachhaltigkeit auf Ihren Webseiten publizieren. Mögliche Gründe sind:

  • Das Bewusstsein für Nachhaltigkeit ist bei vielen Labels (noch) nicht vorhanden.
  • Es ist schwierig als kleines Label an fair und ökologisch produzierte Stoffe, die den hohen Qualitäts- und Designansprüchen genügen, heranzukommen.
  • Transparenz in Bezug auf Produktionsstätten und Herkunft der Materialien sind wichtige Kaufkriterien von kritischen und modebewussten Konsumenten. Dies wird von Modeschaffenden möglicherweise unterbewertet.

Wer diese Thesen selbst überprüfen will, ist herzlich eingeladen, die Labels auf der blickfang daraufhin anzusprechen. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass die meisten Modeschaffenden, die ihre Kollektionen auf der Designmesse präsentieren, sehr gerne persönlich Auskunft über ihre Produktionsbedingungen geben.

Was kann das NETZWERKFAIREMODE zur Unterstützung von kleinen Labels beitragen? Das NETZWERKFAIREMODE verfolgt intensiv die Entwicklungen im Bereich ökologischer und sozialverträglicher Kleidungsproduktion. Wir kennen erfolgreiche Geschäftsmodelle und Lösungen für Modeschaffende. Sei es Unterstützung beim Stoffeinkauf, Suche nach neuen Produktionsstätten oder Überblick über die Zertifikate und Standards – das NETZWERKFAIREMODE bietet Beratung für jene Firmen, die vermehrt mit ökologischen und Fairtrade-Materialien arbeiten möchten oder ihre nachhaltigen Kollektionen europaweit vermarkten wollen.

Hier geht es zu unserem blickfang 2011 Shopping Guide

Text: Irina Starmanns, Katharina Wehrli

Wir weisen daraufhin, dass wir uns auf die Selbstdarstellungen der Firmen auf ihren Webseiten stützen und erheben nicht den Anspruch auf Vollständigkeit. Falls ein Unternehmen, das nachhaltig produziert, nicht aufgeführt ist, bitten wir dies zu entschuldigen. Wir freuen uns über Hinweise auf weitere Labels und ergänzen gerne unseren Shopping Guide!


One Comment on “BLICKFANG – SOZIAL UND ÖKOLOGISCH?”

  1. Zuzana Ponicanova sagt:

    Unter die Labels, die in Zürich eigene Kleiderlinie entwerfen und die auch im eigenen Atelier herstellen gehört seit Jahren auch das Label von Anne-Martine Perriard. Sie ist mit ihrer Kollektion auch an der Blickfang Designmesse beteiligt. Unbedingt empfehlenswert.


Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s